Leserbrief

Als im Mai 1998, also vor fast 18 Jahren, der Rat der Stadt Bückeburg mit überwältigender Mehrheit eine Bebauung der Hofwiesen ablehnte und anschließend das gesamte Areal westlich der Lulu-von-Strauß-und-Torney-Straße unter Landschaftsschutz stellte, da fiel der Bückeburger Bevölkerung ein Stein vom Herzen, so groß, dass man dessen Aufprall noch auf dem Idaturm gehört haben muss.

Endlich Ruhe! Endlich aufatmen können, endlich Schluss mit den nicht enden wollenden Versuchen, sich dieses einmalige landschaftliche Kleinod unter den Nagel zu reißen. Endlich Sicherheit vor der entsetzlichen Zukunftsvision, dieses wunderschöne, von malerischen Baumreihen durchzogene Wiesenareal im Südwesten Bückeburgs von Baggern und Planierraupen verwüstet zu sehen, einmal erleben zu müssen, den Sonnenuntergang nicht mehr durch die Baumwipfel der Hofwiesen mitansehen zu können, weil der Blick auf das Panorama des Wesergebirges von einem Monstrum aus Beton, Stahl und Glas verstellt wird.

Bis jetzt. Für alle Bückeburger, vor allem aber diejenigen, die den letzten Kampf um die Hofwiesen im Frühjahr 1998 miterlebt haben, ist dieser Alptraum mit der Veröffentlichung der Planung eines Mehrgenerationenhauses an gleicher Stelle wieder lebendig geworden. Und es mutet wie eine makabre und groteske Wiederholung von damals an, dass es wieder ein als „gemeinnützig“ eingetragener Verein ist, der nach fast zwei Jahrzehnten Ruhe und Frieden erneut zum Vernichtungsfeldzug gegen diese „landschaftliche Pretiose“ (eine wunderbar treffende Bezeichnung der FDP-Politikerin Brigitte Bödeker) antritt.

Niemand zweifelt daran, dass ein Mehrgenerationenhaus eine sinnvolle und brauchbare Einrichtung sein kann, wo neue und zukunftsweisende Formen der Begegnung und des Zusammenlebens entwickelt werden können. Aber wie viel Naivität und Realitätsferne müssen diesen Verein geritten haben, für ein solches Vorhaben ausgerechnet die Hofwiesen ins Visier zu nehmen? Sollten die Verantwortlichen dieses Projekts allen Ernstes übersehen oder am Ende vielleicht sogar bewusst ignoriert haben, dass bereits drei Mal versucht wurde, dieses Gelände zu bebauen? Jedes Mal haben die Bückeburger ihre Hofwiesen mit der Wildheit und Entschlossenheit einer Löwenmutter verteidigt, die um ihr Junges kämpft, und sie werden es auch ein viertes Mal tun, wenn man sie dazu zwingt.

Die Hofwiesen sind nicht irgend ein beliebiges Grüngelände, sie sind Bestandteil des Bückeburger Schlossparks und als Naherholungsgebiet und Landschaftspanorama seit Generationen tief in der Bückeburger Seele verwurzelt. Wer sie angreift, dem wird die Wut der Bückeburger ins Gesicht schlagen wie eine Sturmflut. Ein solches Projekt gegen den entschiedenen Willen der Bevölkerung kann unmöglich gelingen, es kann – sollte es wirklich an diesem Ort zur Verwirklichung kommen – nur auf Jahre hinaus Zorn, Ablehnung und endlose Verbitterung hervorrufen. Das sollten sich nicht nur die Projektbetreiber gründlichst vor Augen halten, sondern auch alle Vertreter von Politik und Verwaltung (insbesondere im Hinblick auf die in nicht mehr allzu weiter Ferne bevorstehende Kommunalwahlen).

Dabei weiß jeder: Eine Zerstörung der Hofwiesen wäre nicht nur eine Katastrophe, sondern auch restlos überflüssig. Für ein Bauprojekt dieser Größenordnung stehen genügend alternative Flächen (wie zum Beispiel das Krankenhaus Bethel oder die freiwerdende Jägerkaserne) zur Verfügung. Hier könnte ein Mehrgenerationenhaus völlig problemlos mit der uneingeschränkten Zustimmung der Bückeburger Bevölkerung realisiert werden, und das noch dazu wesentlich zentraler, innenstadtnäher und verkehrsmäßig hundert mal besser erschlossen und erreichbarer als in den Hofwiesen.

Autor Leserbrief: Marlis Mengel, Bückeburg